Wie der Schnulli der Taucherbrille wich…

Was hat so ein Schnulli mit einer Taucherbrille zu tun? Tjaaaaa…

Es war einmal ein großer Rabauke, der so süchtig nach dem Schnulli war, dass ich im Leben nicht daran glaubte, dass er ihn irgendwann freiwillig abgibt. Bin ja selbst schuld, da ich ihm den Schnulli mit 3-4 Wochen regelrecht antrainiert habe. Er spuckte ihn immer wieder aus und konnte ihn nicht halten (man braucht aber auch wirklich ziemlich viel Kraft, um solch einen Schnulli im Mund zu behalten – Selbsttest).

Liebe Mit-Mamis empfahlen mir, den Schnulli mit Sabtropfen zu benetzen und schwupps blieb der Schnulli im Mund. Naja, bis der Sabtropfen aufgelutscht war. Dann wieder von vorne. Ich war sein ganz persönlicher Personal-Schnulli-Trainer. Der Kinderarzt meinte, Sabtropfen kann man gar nicht überdosieren, es wird einfach vom Körper ausgeschieden. Nach ein paar Tagen war der Erfolg auch schon da – mein Kind war ein Schnullikind und konnte sich damit sehr gut beruhigen. Jucheee. Das man ihm das dann irgendwann wieder abtrainieren muss, kam mir damals nicht wirklich in den Sinn. Ich war froh, dass ich manche Tage ohne geplatztes Trommelfell überlebte und der Schnulli zu kurzer Ruhephase beitrug.

2 Jahre später wies mich der Kinderzahnarzt darauf hin, dass man bei ihm schon sehen kann, dass er ein Schnullerkind ist. Puh, also wie kann ich ihm das rauchen abgewöhnen, äääh den Schnulli. Von 10 auf 0. Geht sicher suuuper einfach, wenn gerade das Geschwisterchen unterwegs ist und eine riesige Veränderung ansteht. Also vielleicht doch noch etwas abwarten. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Wahrscheinlich mit 20.

Eines Tages malte ich ihm – einfach so – ein sehr „professionelles“ Strichmännchen mit Taucherbrille und Schnorchel und Schwimmflossen. Er fand das so toll (lag bestimmt an meinem Picasso-Taucher), dass ich ihm noch eine Taucherbrille aus Papier bastelte. Das trug er von da an täglich. Ohne Quatsch. Auf der Straße, in der Krippe, daheim. Und er spielte Taucher und sprang in den Teppich, der als See fungierte. Er wünschte sich so sehr eine richtige Taucherbrille, Schwimmflossen und Schnorchel, dass ich eines Tages dachte: Wenn das kein Wink des Schicksals ist. Diese tollen Geschenke kann ja auch die Schnullerfee bringen. Yeah.

Ich machte mir einen Plan. So richtig. Immerhin ging es darum, die Schnullersucht eines 2-jährigen zu bekämpfen. Das musste professionell aufgezogen werden.

  • Ich las ihn ein paar Abende hintereinander von der Schnullerfee vor. Dass sie Geschenke bringt, wenn man ihr die Schnullis dafür gibt.
  • Wir schrieben der Schnullerfee einen Brief und malten seine Wünsche (Taucherbrille, Schwimmflossen und Schnorchel) mit drauf. Ich adressierte den Brief mit unserer Anschrift (zum Glück können 2jährige noch nicht lesen) und klebte eine Briefmarke drauf. Wir gingen zusammen zum Briefkasten und warfen den Brief ein.
  • Wir warteten auf die Antwort der Schnullerfee, wann sie denn nun endlich kommt. Der Brief, den wir an die Schnullerfee geschrieben haben, kam natürlich 2 Tage später bei uns an. Ich habe ihn heimlich mit meinem vorbereiteten Brief à la Catha-spielt-die-Schnullerfee ausgetauscht. Zum Glück erkennt ein 2jähriger noch nicht die Handschrift der eigenen Mama. Die Schnullerfee schrieb darin, dass sie sich sehr über den Brief gefreut hat und gerne in 5 Tagen kommt.
  • Wir strichen die folgenden 5 Tage feierlich im Kalender ab und freuten uns auf die Schnullerfee. Ich dachte mir nur, wenn das nicht klappen sollte, dann bitten wir die Schnullerfee einfach, noch einmal zu kommen, um die Schnullis mit den Geschenken wieder umzutauschen. Quasi zu retournieren. Denn wenn ich ehrlich bin, habe ich schon ziemlich am Erfolg gezweifelt (Babybruder ist 4 Wochen alt und schnullert ihm was vor).
  • Dann kam DER Tag. Wir sammelten alle Schnullis von ihm ein. Auch den aus der Krippe. Legten alle Schnullis in einen Karton und stellten diesen vor unsere Wohnungstür. Dann gingen wir in sein Zimmer und spielten. Ich schlich mich zwischendurch kurz raus, um die Schnullis mit den 3 Geschenken auszutauschen (es gibt tatsächlich Schwimmflossen in Minigrößen). Dann nach weiteren 10 Minuten spielen meinte ich, dass ich was an der Tür gehört habe. Wir sahen nach und OH-MEIN-GOTT, die Schnullerfee gibt es wirklich – sie war da!!! Seine Augen leuchteten und er schrie „meine Taucherbrille, mein Schnorchel, meine Schlimmflossen“ (ja er sagt bis heute „schlimmen“, statt „schwimmen“).

Er watschelte von da an tagein und tagaus mit allen 3 Accessoires durch die Wohnung, in die Krippe auf die Straße.

Erfahrungsgemäß kann ich dazu sagen, dass man unter so einer Taucherbrille auch schon ziemlich schwitzen kann. Es war Sommer. Es wurde Herbst und dann Winter. Und er trug sie immer noch fast täglich. Und bei einem Krippenausflug musste die Taucherbrille halt über die Mütze angezogen werden. Wenigstens hat er größtenteils auf die Schwimmflossen verzichtet, weil er merkte, dass man damit nicht schnell genug vorwärts kommt. Und der Schnorchel – jaaaahhhaaa – durch den kann man auch Luft bekommen. Den ganzen Tag lang. Ohne Probleme.

Und total der Wahnsinn: mein obersüchtiges Schnullerkind war kein Schnullerkind mehr. Ich hatte aber sicherheitshalber noch 3 Schnullis aufgehoben. Nur für den Fall, dass er einen Rückfall erlebt und den größten Knacks seines Lebens bekommt. Dann hätte halt die Schnullerfee noch mal einen Rückholbrief bekommen.

Aber selbst in der Nacht, in der er 5 Schnullis um sich hatte, 1 im Mund, jeweils 1 in jeder Hand plus Reserve, konnte er gut schlafen. Ab und zu wenn er müde wurde kam ein „Mamiiiiiii, ich will mein Schnulliiiiiiii.“ Aber dann sagte ich, dass er bei der Schnullerfee ist und er beruhigte sich laaaangsam wieder.

Whäm – eine das-hätte-ich-niemals-gedacht-Geschichte. Mein Kind wird groß (und wird mal Teppich-Tiefseetaucher)…

 

 

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